Die Verbindung

  1. 1899Gründung

    Die Akademische Vereinigung

    Am Lyceum bei St. Stephan gründen sechs Studenten die „Akademische Vereinigung Ludovicia“, benannt nach König Ludwig I. Die Farben blau-weiß-grün, die Prinzipien religio, amicitia und patria und der Wahlspruch „Gerecht und beharrlich“ stammen aus dieser Zeit.

    Chronik 1828 bis 1912 · 11 Einträge
    1. 20. Nov. 1828Fürst Ludwig von Öttingen-Wallerstein eröffnet als Königlicher Regierungspräsident bei St. Stephan die Königlichen Studienanstalten (Lyceum, Gymnasium und Lateinische Vorbereitungsklassen).
    2. 1888Gründung der farbentragenden Verbindung „Vindelicia“. Auflösung nach nur vier Semestern.
    3. 1898Zehn Kandidaten des Lyceums äußern während der Weihnachtsfeier den Wunsch, eine „Akademische Vereinigung“ zu gründen.
    4. 25. Januar 1899Die Studenten Georg Jaser, Michael Mesmer, Friedrich Regenbogen, Johann Schmaus, Otto Stolber und Josef Wunderle gründen die „Akademische Vereinigung Ludovicia“, deren Name an den Gründer der Hochschule, König Ludwig I., erinnern soll. Der Begriff „Vereinigung“ wird bewusst gewählt, um sich von den Verbindungen und Vereinen an anderen Hochschulen zu unterscheiden. So haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich bei einem Universitätswechsel einer anderen Verbindung (farbentragend) oder einem Verein (nichtfarbentragend) anzuschließen. Als Farben für die Vereinigung wählt man blau-weiß-grün (blauweiß als Farben des Königreichs Bayern, grün als Bestandteil der Augsburger Stadtfarben). Es wird jedoch beschlossen, die Farben nur in Form von Bierzipfeln zu tragen, da man fürchtet, als farbentragende Studentenverbindung in Augsburg auf Ablehnung zu stoßen. Als Prinzipien der Verbindung wählt man „religio“, „amicitia“ und „patria“ (Religion, Freundschaft und Vaterland). Der Wahlspruch ist „Gerecht und beharrlich“. Gem. Art. 3 der Statuten ist es Aufgabe der Vereinigung, katholische Weltanschauung und Lebensführung, echten studentischen Frohsinn und die Liebe zum Vaterland zu pflegen und zu fördern. Das Bundeslied verfasst Pius Strobel, die Vertonung erfolgt durch Karl Ott.
    5. 22. Februar 1899Der Rektor des Lyceums, P. Narzissus Liebert, bestätigt die Neugründung.
    6. 3. August 1900Umwandlung der „Akademischen Vereinigung Ludovicia“ in die „Katholische Studentenvereinigung Ludovicia“. Formelle Statutengebung.
    7. 1900Die Weihnachtsfeier erbringt einen erheblichen finanziellen Überschuss, aus dem die erste Salonwichs angeschafft wird.
    8. 15. März 1903Die Ludovicia erhält zum Stiftungsfest die erste Fahne. Die Weihe erfolgt in der Muttergotteskapelle des Domes durch Gründungsmitglied Josef Wunderle.
    9. 1909Anlässlich des zehnten Stiftungsfestes bewilligt der CC die Anschaffung einer Vollwichs, die zum ersten Mal bei der Fronleichnamsprozession getragen wird.
    10. 15. Februar 1911Das „Organ der Katholischen Studentenverbindung Ludovicia Augsburg“ wird herausgegeben. Insgesamt erscheinen bis zur Einstellung im Jahr 1935 51 Ausgaben.
    11. April 1912Gründung eines Philistervereins.
  2. 1926Kartellverband

    Aufnahme in den KV

    Nach dem Ersten Weltkrieg schließt sich Ludovicia dem Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine an. Trotz Zweifeln, ob die Verbindung in Augsburg „überlebensfähig“ sei, wird sie 1926 mit 75 zu 5 Stimmen ordentliches Mitglied und bleibt in Augsburg.

    Chronik 1914 bis 1926 · 6 Einträge
    1. 1914–191867 Ludoviker nehmen am Krieg teil, 18 von ihnen fallen.
    2. September 1919Im Rahmen des 20. Stiftungsfestes wird die zweite Fahne geweiht. In diesem Jahr entsteht auch die Farbenstrophe (Verfasser: Fritz Spengler).
    3. 4. August 1922Ludovicia wird als a.o. Mitglied in den nichtfarbentragenden „Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV)“ aufgenommen.
    4. 1926Gegen die Aufnahme als ordentlicher KV-Verein bestehen Bedenken, ob Ludovicia in Augsburg „überlebensfähig“ ist. Münchner Kartellbrüder fordern die Verlegung der Verbindung nach München als zehnte Münchner KV-Verbindung.
    5. 12. April 1926Der CC stimmt für den Anschluss an den KV unter Verbleib der Verbindung in Augsburg.
    6. 27. Juli 192652. Vertreterversammlung des KV in Fulda: Ludovicia wird mit 75 gegen 5 Stimmen als ordentlicher Verein in den KV aufgenommen. Antragsteller sind Rechtsanwalt Dr. Ernst Schröder als Altherrenvertreter und Edmund Prestel als Aktivenvertreter.
  3. 1937Auflösung

    Im Dritten Reich

    Ludovicia fällt dem Dritten Reich zum Opfer. Die offizielle Selbstauflösung erfolgt am 28. Januar 1937, persönliche Kontakte bestehen weiter.

    Chronik 1937 · 1 Eintrag
    1. 1937Ludovicia fällt dem Dritten Reich zum Opfer. Die offizielle Selbstauflösung erfolgt am 28. Januar. Persönliche Kontakte bestehen weiterhin. Die Auflösung der philosophischen Hochschule bei St. Stephan folgt am 23. September.
  4. 1949Wiedergründung

    Neubeginn im „Weißen Gockel“

    Der erste Nachkriegskonvent beschließt einstimmig die Wiedergründung. Es folgen Jahrzehnte des Wiederaufbaus, ab 1959 mit eigenen Räumen im Winfried-Werk in der Frauentorstraße.

    Chronik 1949 bis 1982 · 14 Einträge
    1. Februar 1949Erster Nachkriegskonvent im „Weißen Gockel“ (heute „coq“). Es wird einstimmig beschlossen, Ludovicia wiederzugründen. Philistersenior wird Dr. Edmund Prestel, Schriftführer Hans Ehegartner, Kassier Josef Schwelle und kommissarischer Aktivensenior und späterer Fuchsmajor Fabian Kastl.
    2. 1949/50Erstes Nachkriegssemester, das durch eine neue Aktivitas unter dem Senior Thomas Schmidtner gestaltet wird.
    3. 25. Sept. 1950Bb Dr. Prestel tritt als Philistersenior zurück. Sein Nachfolger wird Bb Fabian Kastl.
    4. 3. Sept. 1951Oberbürgermeister Dr. Klaus Müller und Oberstudiendirektor P. Dr. Gregor Lang werden zu Ehrenmitgliedern, Landgerichtsrat Dr. Eugen Haußner und Rechtsanwalt Dr. Dr. Philipp Roßteuscher zu Ehrenphilistern ernannt.
    5. 9. Juli 1955Korporationsabend anlässlich der Tausendjahrfeier der Schlacht auf dem Lechfeld. Vor etwa 100 Chargierten aller Korporationsverbände hält der französische Staatsminister Robert Schuman die Festrede.
    6. 30. Sept. 1958Das Lehrerbildungsinstitut in Augsburg wird zur pädagogischen Hochschule der Universität München erhoben.
    7. 6. Juli 1959Anlässlich des 60. Stiftungsfestes erhält Ludovicia ein eigenes Heim. Verlagsdirektor Josef Hall stellt der Verbindung im Untergeschoß des „Winfried-Werkes“ (Frauentorstr. 5) mehrere Räume zu günstigen Mietbedingungen als Verbindungsheim zur Verfügung.
    8. 18. Januar 1962Tod von Ehrenmitglied P. Dr. Gregor Lang.
    9. 30. Juni 1963Bb Fabian Kastl, Landrat, kann wegen seiner beruflichen Belastung das Amt des Philisterseniors nicht mehr weiterführen. Neuer Philistersenior wird Bb Dr. Thomas Schmidtner, Staatsanwalt.
    10. 12. April 1964Schwäbisches KV-Treffen im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen, Zelebrant ist Diözesanbischof Dr. Josef Stimpfle, die Festrede hält der bayrische Ministerpräsident Kb Dr. Alfons Goppel.
    11. 12. Juni 1971Die Vertreterversammlung in Münster beschließt nach hitzigen Debatten eine neue Satzung, nach der gem. § 18 HKVS „bei einem im Sinne des Grundsatzes „Religion“ aktiven Vereinsleben (…) ein Kartellverein in einem begründeten Ausnahmefall auch einen nichtkatholischen Christen aufnehmen“ kann.
    12. 28. Juni 1975Neufassung der Satzung Ludoviciae: In Ausnahmefällen können auch nichtkatholische Christen aufgenommen werden. Diese dürfen jedoch nicht das Amt des Seniors oder des Fuchsmajors bekleiden.
    13. 23. April 1978Tod von Ehrenmitglied Prof. Dr. Adalbert Vogel.
    14. Januar 1982Bb Dr. Thomas Schmidtner tritt nach mehr als achtzehnjähriger Amtszeit als Philistersenior zurück. Sein Nachfolger wird Bb Wolfram Müller, Rechtsanwalt.
  5. 1986Eigenes Haus

    Mittlerer Lech 13

    Nach der Kündigung der Räume 1983 gründen 44 Bundesbrüder einen Hausbauverein und erwerben das denkmalgeschützte alte Stadt-Münz-Gebäude. Nach zehn Monaten Umbau wird es 1986 zum 87. Stiftungsfest eingeweiht.

    Chronik 1983 bis 1996 · 18 Einträge
    1. 28. Juni 1983Kündigung des Mietvertrages in der Frauentorstraße durch die Winfried-Werk GmbH aus betrieblichen Gründen. Es schließt sich eine intensive Suche nach einem geeigneten Miet- bzw. Kaufobjekt an. Bb Peter Henkel, Richter am Amtsgericht Augsburg, löst Bb Wolfram Müller als Philistersenior ab. Durch die Vermittlung von Bb Karl Günzel eröffnet sich die Möglichkeit, das aus dem 18. Jahrhundert stammende denkmalgeschützte Wohn- und Werkstattgebäude des Feilenhauers Josef Gnann am Mittleren Lech 13 von dessen Erben zu erwerben.
    2. 27. Juli 1984Da die Idee eines Ludoviker-Eigenheimes eine überwältigende Resonanz findet, beschließen auf dem CC des 27.7.1984 44 Bundesbrüder einstimmig, einen Hausbauverein zu gründen, dessen Ziel der Erwerb des Anwesens Mittlerer Lech 13 und der Umbau zu einem Studentenwohnheim ist. Alfred Schwendtner übernimmt bereitwillig die Architektenleistungen. Eine Satzung für den Hausbauverein „Studentenheim Ludovicia“ wird beschlossen.
    3. August 1984Das „Studentenheim Ludovicia e.V.“ wird in das Vereinsregister des Amtsgerichts Augsburg eingetragen. Beurkundung des Kaufvertrages über das Anwesen Mittlerer Lech 13. Kaufpreis: 160.000 DM. Der damalige Vorstand der Kreissparkasse Augsburg, Bb Peter Kahn, stellt einen besonders günstigen Kredit für den Bau des Ludovikerheimes zur Verfügung.
    4. September 1985Nachdem die vermieteten Wohnungen geräumt sind, kann mit der Sanierung und dem Umbau begonnen werden. Dank des unermüdlichen Einsatzes vieler Bundesbrüder und ihrer beachtlichen Eigenleistungen wird der Umbau schnell vorangetrieben.
    5. 24. Jan. 1986Bb Peter Henkel kandidiert wegen seiner kommunalpolitischen Tätigkeit nicht mehr für das Amt des Philisterseniors. Bb Reinhold Wenninger, Kommunalreferent der Stadt Augsburg, übernimmt das Amt mit unermüdlicher Tatkraft. Die Aktivitas erstarkt deutlich.
    6. 20. Feb. 1986Tod von Ehrenphilister Hermann Clemente (Erw), Oberstudiendirektor a.D. am Holbeingymnasium, der unserer Ludovicia 30 Jahre lang als Vorsitzender des Ortszirkel Zirbelnuß in hohem Maß verbunden war.
    7. Juli 1986Auf dem Festkommers des 87. Stiftungsfestes übergibt Philistersenior Reinhold Wenninger Bb Thomas Schmidtner die Ernennungsurkunde zum Ehrenphilistersenior, Alfred Schwendtner wird zum Ehrenmitglied ernannt.
    8. Juli 1986Nach zehn Monaten Umbauzeit ist das Anwesen von Grund auf saniert und den heutigen Wohnverhältnissen angepasst. Im Rahmen des 87. Stiftungsfestes wird das neue Haus von Bb Dr. Florian Schuller eingeweiht. Anschließend erfolgt die Schlüsselübergabe durch EM Alfred Schwendtner.
    9. 7. Juli 1989Auf dem Festkommers des 90. Stiftungsfestes im vollbesetzten Mozartsaal der Kongreßhalle hält Otto von Habsburg, MdEP, die Festrede. Der Senior Wolfgang Riedl übergibt Reinhold Wenninger die Ernennungsurkunde zum Ehrenbursch der Ludovicia.
    10. 14. Juli 1990Auf dem Festkommers des 91. Stiftungsfestes wird Kb Prof. Dr. jur. Jörg Tenckhoff (Bsg, Rp) für seine vielseitigen Verdienste zum Ehrenphilister ernannt.
    11. 29. Juni 1991Auf dem Festkommers des 92. Stiftungsfestes erhält Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher, der der Verbindung schon seit Jahren wohlwollend verbunden ist, die Urkunde über seine Ernennung zum Ehrenmitglied.
    12. 18. Juni 1992Das neugestaltete „Ludovicia-Höfchen“ mit Nebengebäude (Freisitz, Keller und Fahrradraum) wird seiner Bestimmung übergeben. Besonderer Dank gilt u.a. dem Projektleiter der Stadtsanierung, Kb Reinhard Sajons (Rh-P), für seine tatkräftige Unterstützung der Baumaßnahme.
    13. 20.–23. Mai 1993Vertreterversammlung des KV in Augsburg, die die Ludovicia ausrichtet, mit reger Teilnahme der Ludoviker am Festkommers in der vollbesetzten Kongreßhalle (Präside: Bb VOP Martin Buchner; Festredner: Staatssekretär Kb Hermann Leeb). Beim Festgottesdienst im Hohen Dom hält Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz eine eindrucksvolle Festpredigt zu den Grundsätzen des KV. Es schließt sich ein Empfang im Goldenen Saal des Rathauses durch OB Dr. Peter Menacher an.
    14. 18. Dez. 1993Tod von Bb Fabian Kastl, Landrat a.D., der sich bei der Wiederbegründung nach dem Krieg und anschließend als Philistersenior große Verdienste erworben hatte.
    15. 1.–3. Juli 1994Im Rahmen des Kommerses zum 95. Stiftungsfest Ludoviciae im Kolpingsaal wird dem derzeitigen Rektor des Gymnasiums bei St. Stephan, Oberstudiendirektor Pater Dr. Egino Weidenhiller, die Ehrenmitgliedschaft übertragen.
    16. Juli 199540-jähriges Priesterjubiläum des KV-Verbandsseelsorgers und Ehrenphilisters Bb Prälat Siegfried Schindele in der Basilika St. Lorenz in Kempten.
    17. Januar 1996Bb Dr. Karl Demharter wird zum neuen Vorsitzenden des Hausbauvereins gewählt.
    18. 24. März 1996Tod von Ehrenphilistersenior, Philisterconsenior und erstem Vorsitzenden des Hausbauvereins in der Geschichte Ludoviciae, Bb Dr. Thomas Schmidtner, Landgerichtspräsident a.D.

Haus Ludovicia

Das Stadt-Münz-Gebäude

Die Suche nach einem Haus

Nach dem Verlust temporärer Bleiben wurde ein Ausschuss von 8 Bundesbrüdern ins Leben gerufen, der nach entsprechenden Objekten suchen und ihre Eignung für die geplanten Zwecke prüfen sollte. Dabei boten sich grundsätzlich drei Alternativen, deren Für und Wider, vor allem hinsichtlich der Finanzierung, lebhaft diskutiert wurden: ein neues Mietobjekt, der Erwerb einer Etage, eines Kellers oder dergl. in Form des Teileigentums, oder Kauf und Renovierung eines alten Hauses.

Verhandlungen mit Bauunternehmungen, Eigentümern und dem Liegenschaftsamt der Stadt Augsburg brachten zunächst keine zufriedenstellenden Ergebnisse, doch beschloss immerhin der CC am 27.1.1984 schon die Einrichtung eines Sonderkontos für Spenden oder Darlehen im Hinblick auf einen zukünftigen Bedarf. Und der ergab sich unerwartet bald.

Bb Rechtsanwalt Karl Günzel hatte ein geeignet erscheinendes Objekt an der Hand. Es handelte sich um die frühere Feilenhauerei Gnann, gegenüber deren Erben Bb Günzel eine Art Vorkaufsrecht hatte, auf das er zugunsten seiner Verbindung zu verzichten bereit war.

Die Geschichte des Gebäudes

Das alte denkmalgeschützte Werkstatt- und Wohngebäude am Mittleren Lech Nr. 13 war nach „Architektursprache“ und Ausstattung in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zu datieren. Bb Dieter Götz hat die wechselvolle Geschichte des Hauses gründlich erforscht und in der 1986 zur Einweihung erschienenen Festschrift veröffentlicht (S. 10–12). Die Ergebnisse seiner verdienstvollen Arbeit seien im Kern hier wiedergegeben.

Im Jahre 1641 kaufte der Rat der Stadt Augsburg das am Mittleren Lech Lit. C Nr. 360/361 gelegene geräumige Anwesen, dessen Hof und Nebengebäude sich bis an den hinteren Lechkanal erstreckten. Da die bisherige Münzstätte für die rege Prägetätigkeit zu klein geworden war, verlegte man sie in dieses neu erstandene Gebäude, wo das Münzwesen gleichfalls mit Wasserkraft betrieben werden konnte und in dem auch die städtischen Münzmeister wohnten. Die Augsburger Stadtmünze galt wegen der hohen Qualität ihrer Prägungen als die beste im ganzen damaligen Reich. Die Münzen wurden nicht mit dem Hammer geschlagen, sondern mit einer 1571 vom Stadtmünzmeister Hans Vogler erfundenen Maschine hergestellt. Selbst Kaiser Leopold ließ hier im Jahre 1695 eine große Anzahl Münzen auf kaiserliche Kosten prägen. Mit der Eingliederung der Stadt Augsburg in das Königreich Bayern im Jahre 1806 endete auch die städtische Münztätigkeit im Hause am Mittleren Lech.

Am 16. September 1816 kaufte der Glockengießer Agabit Tubinger von der königlichen Finanzdirektion um 5171 Gulden das ehemalige Stadtmünzgebäude Lit. C 360 nebst den dazugehörigen Gebäuden Lit. C 361 (einstiges Münzmeisterhaus), 366 und 367 samt Hof und kleinem Garten. 1845 geht der Besitz an den Zwirnfabrikanten Johann Hauser über, und ab 1864 sind der Strohwarenfabrikant Joseph Kellner und seine Ehefrau als Eigentümer genannt. Von ihnen erwirbt der Hutmacher Georg Tratzmüller im Jahre 1870 den Besitz für 6500 Gulden, der nach seinem Tode 1897 in die Hände seiner Ehefrau Agnes überwechselte. Nach einer Urkunde des Notariats Augsburg I aus dem Jahr 1922 treten Johann und Luise Heimerl, Spezialwarenhändler aus Augsburg-Pfersee, als Käufer auf und bezahlen den Preis von 120 000 Mark. Noch im selben Jahr wird es für 155 000 Mark (beginnende Inflation!) an den Kaufmann Eduard Gantert weiterverkauft.

Mit Kaufvertrag vom 7. Juli 1926 geht schließlich das Anwesen C 360, bestehend aus Wohnhaus, Hofraum, halber Einfahrt zwischen diesem Haus und Haus Nr. 361 und dann gemeinschaftlicher Reihe mit Hs. Nr. 359 mit allen Rechten und Bestandteilen, zwei Öfen, dem Linoleumbelag im Büro, ca. 160 Ztr. Ruhrkoks, einem Tisch und 3 Stühlen an die Eheleute Alois und Ursula Gnann zu gleichen Teilen über. Feilenhaumeister Gnann und seine Frau zahlen hierfür einen Kaufpreis von 4 000 Goldmark. Alois Gnann hatte nicht nur als Handwerker, sondern auch als Radrennfahrer einen guten Namen in Augsburg.

Die Entscheidung von 1984

Für dieses geschichtsträchtige Gebäude konnten und sollten sich die Ludoviker nun entscheiden. Und sie taten es in einer überwältigenden Weise. Der kurz zuvor neu gewählte Philistersenior Peter Henkel und Bb Dr. Thomas Schmidtner als Mitglied der „Heimfindungskommission“ luden am 19. Juli 1984 zum entscheidenden Konvent, der 8 Tage später stattfinden sollte. In diesem Schreiben wurde das Objekt kurz vorgestellt und die Möglichkeiten der Finanzierung angesprochen (Gründung eines gemeinnützigen Hausbauvereins, Darlehen von BbBb zum üblichen Sparzins, Eigenleistungen, Zuschüsse von dritter Seite). Abschließend hieß es:

„Hiernach hat die Verbindung auf dem Konvent vom 27. Juli die wohl weitreichendste Entscheidung ihrer Geschichte zu treffen. Es geht um die Frage, ob die Ludoviker bereit sind, der Verbindung eine auf Dauer gesicherte Heimstatt, einen bleibenden Kristallisationspunkt zu schaffen und dafür eine erhebliche finanzielle Belastung auf sich zu nehmen, die noch die folgende Generation mit in die Pflicht nimmt.“

44 Bundesbrüder folgten der Einladung, 20, die nicht teilnehmen konnten, äußerten sich zuvor zustimmend. Einige von ihnen erklärten ihre Absicht, das Vorhaben in besonderer Weise zu fördern: Bb Horst Thumerer, Notar in Schwabmünchen, sagte spontan zu, sämtliche Beurkundungen kostenlos vorzunehmen. Bb Dipl.-Ing. (FH) Alfred Schwendtner, Architekt in Augsburg, erklärte gleichfalls, er werde die Architektenleistungen einschließlich der Bauaufsicht gratis übernehmen. Mehrere BbBb waren bereit, vierstellige Beträge zu spenden. Die Aktiven verpflichteten sich, jeweils mindestens 40 Arbeitsstunden beim Ausbau des Hauses zu leisten.

Der Cumulativconvent beschloss dann einstimmig, einen Hausbauverein zu gründen, das Anwesen Mittlerer Lech 13 zu erwerben und in ein Studentenheim umzubauen. Nach Diskussion des Finanzierungsplans wurde der Hausbauvereinsbeitrag für die 170 A-Philister auf DM 100,– festgesetzt, die vorbereitete Satzung des neuen Vereins angenommen und dessen Vorstandschaft gewählt. 1. Vorsitzender wurde erwartungsgemäß Bb Amtsgerichtspräsident Dr. Thomas Schmidtner, Stellvertreter (2. Vors.) Bb Msgr. Siegfried Schindele, Verwaltungsführer Bb Rechtsanwalt Karl Günzel, Schatzmeister Bb Reinhold Wenninger, Kommunalreferent der Stadt Augsburg, und Technischer Beirat Bb Architekt Alfred Schwendtner.

Bb Dr. Thomas Schmidtner, der sich mit der ganzen Überzeugungskraft seiner Persönlichkeit für den Hauserwerb eingesetzt hatte, gestand später 1986 in der Einweihungsfestschrift (S. 18):

„Die Zustimmung der Ludoviker zu ihrem neuen Haus war für mich das überwältigendste Erlebnis, das ich in meiner nunmehr 37-jährigen Verbindungszugehörigkeit hatte. Einen überzeugenderen Beweis für die Lebenskraft unserer Verbindung hat es meines Erachtens bisher nicht gegeben.“

Kauf und Umbau

Wie die Entwicklung dann rasch voranging, hat er in seinem Beitrag „Wie Ludovicia zu einem eigenen Haus kam“ in der Festschrift dargestellt. Dem folgend, sei der Weg hier leicht gekürzt und verändert skizziert: Am 16.08.1984 wurde der Hausbauverein „Studentenheim Ludovicia e. V.“ in das Vereinsregister des Amtsgerichts Augsburg eingetragen. Damit erhielt er Rechtsfähigkeit mit der Folge, dass für keinen Ludoviker eine persönliche Haftung entstehen kann. Am 17.08.1984 erfolgte die Beurkundung des Kaufvertrages zum Kaufpreis von 160.000 DM. Mit Bescheid des Finanzamtes Augsburg-Stadt vom 28.08.1984 wurde der Verein als gemeinnützig anerkannt. Nach Bezahlung des Kaufpreises gingen Nutzen und Lasten des Anwesens am 01.10.1984 auf ihn über. Am 23.11.1984 erfolgte die Eigentumsumschreibung im Grundbuch. Am 25.04.1985 wurde schließlich die Baugenehmigung erteilt.

Nachdem die Mieter das Haus geräumt hatten, konnte im September 1985 mit den Umbauarbeiten begonnen werden. Den Anfang machten die Aktiven, die verschiedene Aufräumungsarbeiten verrichteten, alte Fußböden herausrissen, den Boden des Erdgeschosses aushoben und einen alten Kamin vom Erdgeschoss bis über die „schwindelnden Höhen“ des Dachgeschosses hinaus abtrugen. Die Hoffnung, dass in der alten Münze noch irgendwo ein Schatz verborgen sein könnte, erfüllte sich leider nicht. Ab Mitte September nahm dann die Baufirma, Ing. Josef Hanwalter, ihre Tätigkeit auf. Seit Mai 1986 führten die Aktiven, angefangen vom Fuchs bis zum Senior, unterstützt von einem AH, der sonst das städtische Rechtsamt leitete, an den Wochenenden wieder Eigenleistungen aus, indem sie Tapezierarbeiten erledigten. So wurde innerhalb eines Zeitraums von 10 Monaten das alte Anwesen von Grund auf saniert und den heutigen Wohnverhältnissen angepasst.

Bb Dr. Schmidtner dankte an dieser Stelle besonders den Bundesbrüdern, die an der zügigen Durchführung der Bauarbeiten beteiligt waren. An erster Stelle war dies der Architekt, Bb Alfred Schwendtner, der hier auch seine reichen Erfahrungen einbrachte, die er als Erbauer des Studentenwohnheims des BLLV in Augsburg gesammelt hatte. Ebenso galt der Dank auch Bb Robert Pfand, der sich, als Heimatpfleger und Ludoviker in gleicher Weise engagiert, an der Planung des Erdgeschosses beteiligte. Mit seiner Idee, dort auch ein Bierstüberl einzubauen, hat er sich selbst ein Denkmal gesetzt. Dank auch an Ludovicias jungen Architekten, Bb Christian Stachulla, der nicht nur die Eigenleistungen der Aktivitas koordinierte, sondern auch selbst kräftig Hand anlegte. Gedankt wurde auch Herrn Dr.-Ing. Helmut Bruckner, der die Statik kostenlos erstellte.

Trotz dieser beachtlichen Gratisleistungen beliefen sich die gesamten Um- und Ausbaukosten auf über 500.000 DM. Dazu kamen Grundstücks- und Grundstückserwerbskosten in Höhe von 164.000 DM. Da stellte sich unwillkürlich die Frage, wie ein solches Vorhaben von einer Studentenverbindung mit knapp 200 im Beruf stehenden Mitgliedern zu einem glücklichen Ende geführt werden konnte. Hier die Antwort: Zuvörderst war es die Solidarität sämtlicher Bundesbrüder, die das Ludovikerhaus zu ihrem eigenen Anliegen machten. Sie legten bis 1986 in die Kasse des Hausbauvereins nach und nach den stolzen Betrag von ca. 140.000 DM ein.

Viel wohlwollende Förderung wurde Ludovicias Hausbau auch von öffentlichen Institutionen zuteil. So stellte die Diözese den stattlichen Betrag von 10.000 DM zur Verfügung. Von der Stadt Augsburg flossen namhafte Zuschüsse, nämlich 52.000 DM nach dem Bayer. Modernisierungsprogramm und 80.000 DM aus Städtebauförderungsmitteln. Darüber hinaus wurde von der Stadt ein zinsloses Darlehen in Höhe von 100.000 DM bewilligt. Hierfür dankte Ludovicia dem Hochwürdigsten Herrn Generalvikar und den verantwortlichen Herren der Stadt Augsburg. Für die Finanzierung des Restbetrages hat der seinerzeitige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Augsburg und heutige Vorstand der Bayerischen Landesbank, Bb Dr. Peter Kahn, in besonderer Weise gesorgt. Er stellte für das gemeinnützige Vorhaben einen Kredit zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Ebenso unterstützte der KV das Vorhaben mit einem zinsgünstigen Darlehen.

Einweihung 1986

Anlässlich des 87. Stiftungsfestes konnte am 13. Juni 1986, zwei Jahre nach der denkwürdigen Entscheidung, die offizielle Einweihung des „Hauses Ludovicia“ vorgenommen werden. Sie wurde zu einem richtigen Familienfest für junge und alte Ludoviker. Die kirchliche Weihe spendeten dem neuen Domizil die BbBb Dr. Florian Schuller, Augsburgs Studentenpfarrer, und der hochbetagte Pater Plazidus Kropf OSB von St. Stephan.

Bei der Einweihungsfeier dankte Bb Schmidtner besonders dem Architekten, Bb Alfred Schwendtner, für das höchst gelungene Werk, an dem auch dessen Ehefrau gehörigen Anteil hatte. In Anlehnung an Schillers „Glocke“ sagte er, hier solle das Werk selbst den Meister loben. Das anschließende Sommerfest wurde dank des Engagements fleißiger Damen unter der Leitung von Frau Rita Schmidtner zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Augsburger Presse würdigte das Ereignis mit ausführlicher Berichterstattung und eingängigen Schlagzeilen: „Haus Ludovicia bringt Jugend ins Lechviertel“ (Augsburger Allgemeine) oder „Riesen-Ansturm! Gerichts-Präsident als Wohnungsmakler / Aber Frauen bleiben ausgesperrt!“ (Neue Presse).

Der federführende Architekt, Bb Alfred Schwendtner, wurde für seinen nimmermüden Einsatz, der bis heute anhält, von Ludovicia zum gleichen Zeitpunkt zum Ehrenmitglied ernannt. Die Ehrenurkunde, die den großen Saal des Hauses ziert, hat folgenden Wortlaut:

„Die Katholische Studentenverbindung Ludovicia ernennt aus Anlass der Eröffnung ihres Studentenheims ihr Mitglied Architekt Alfred Schwendtner zu ihrem Ehrenmitglied. Sie würdigt damit den enormen Einsatz unseres Bundesbruders bei der Planung, Sanierung und Umgestaltung des Anwesens Mittlerer Lech Nr. 13 zu einem Verbindungs- und Studentenheim. Sein unermüdliches Engagement hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Ludovicia in verhältnismäßig kurzer Bauzeit eine neue Heimstatt gegeben werden konnte.“

Das Ludovicia-Höfle und die Jahre danach

Die Hoffnungen, die schon bei der Diskussion um die grundsätzliche Entscheidung für ein eigenes Heim geäußert und bei der Eröffnung vielfach wiederholt wurden, haben sich in der Folgezeit erfüllt. Das Haus ist zum Zentrum des Verbindungslebens geworden.

Nachdem das Verbindungshaus fertig und bezogen war, wurde mit erheblichem finanziellem Aufwand der gesamte Hinterhof neu gestaltet. Ein unterkellertes Nebengebäude (das Haus selbst verfügt über keinen Keller) mit einem überdachten Freisitz wurde errichtet und der Hof mit einem neuen Pflasterbelag ausgestattet.

Am Fronleichnamstag 1992 wurde das „Ludovicia-Höfle“ vom „Hausherrn“ Bb Dr. Thomas Schmidtner nach Art einer Schiffstaufe offiziell in Besitz genommen. Unter den vielen Gästen, die der Zeremonie, die wie viele echte Schiffstaufen ebenfalls nicht auf Anhieb gelang, Beifall spendeten, waren auch Ehrenmitglied Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher mit Ehefrau Inge, geb. Ehegartner, die Ludovicia seit früher Jugend verbunden ist. Gedankt wurde dem seinerzeitigen Projektleiter der Stadtsanierung, ltd. Baudirektor Kb Reinhard Sajons (Rheno-Palatia Freiburg), der die Baumaßnahme tatkräftig unterstützt hatte. Bb Christian Stachulla hatte zeitgerecht auf seine Kosten eine Steintafel mit Namen und Zirkel der Verbindung fertigen lassen und eigenhändig in die Südwand des Hauses eingemauert, sowie einen Fahnenhalter für die Verbindungsfahne an der Straßenseite anbringen lassen.

Seit dem 24. Januar 1996 amtiert der damalige Leiter des Tiefbauamtes und jetzige Baureferent der Stadt Augsburg, Bb Dr. Karl Demharter, als Vorsitzender des Vereins „Studentenheim Ludovicia e. V.“. Er engagiert sich wie sein Vorgänger für den Erhalt des Gebäudes und wird dabei von Bb Alfred Schwendtner tatkräftig unterstützt. Infolge der intensiven Nutzung des Hauses bei den Programmveranstaltungen und bei manchen Höhepunkten des Verbindungslebens, wie etwa der Nikolaus-Kneipe, reichen die 60 Sitzplätze im Veranstaltungsraum bei weitem nicht aus. Durch die Mieter aller 10 Studentenbuden sind fortlaufend Maßnahmen zum Bauunterhalt des denkmalgeschützten Anwesens unerlässlich. Dank der ungebrochenen Spendenbereitschaft von Mitgliedern und Gönnern sowie der Mieteinnahmen konnten sie bis jetzt ebenso durchgeführt werden wie die schrittweise Tilgung der noch bestehenden Darlehensbelastungen.

Bei der Renovierung im Jahr 2012 wurde eines der ursprünglich zehn Zimmer zu einer großen Gemeinschaftsküche umgebaut. Seitdem bietet das Haus neun Studentenbuden.

Quelle: Festschrift zur Einweihung 1986